jury 
die exil-literaturpreise 2018 sind entschieden!

exil-literaturpreise „schreiben zwischen den kulturen“, ein projekt zur förderung der literatur von autorInnen, die aus einer anderen kultur und erstsprache kommen und in deutscher sprache schreiben

exil-literaturpreise 2018
die entscheidungen der juryteams 2018

die jurorInnen der exil-literaturpreise 2018 (für prosa und lyrik) katja gasser, julya rabinowich und barbara zwiefelhofer haben in der jurysitzung am 15.6.2018 im amerlinghaus folgende entscheidung getroffen:

die exil-literaturpreise 2018 (prosa und lyrik) gehen an:

der 1. preis dotiert mit euro 3.000,- und finanziert von der literaturabteilung der stadt wien  geht an KAŚKA BRYLA für ihren text „MANIAS WELT“.

der 2. preis dotiert mit euro 2.000,- und finanziert von der kulturkommission des 7. bezirks  geht an PYOTR MAGNUS NEDOV für seinen text „HUNDSMÜLLER“.

der 3. preis dotiert mit euro 1.500,- und finanziert von der literaturabteilung des bundeskanzleramtes geht an ALEKSANDRA KALISCHEK für ihren text „DIE SCHÖNHEIT DER DUNKELHEIT“.

der preis für autorInnen mit deutsch als erstsprache dotiert mit euro 1.000,- und finanziert von der literaturabteilung der stadt wien geht an MERCEDES SPANNAGEL  für ihren text „DAS FEHLEN VON SCHÄRFE“.

der exil-lyrikpreis 2018 dotiert mit euro 1.500,- und finanziert von der kulturkommission des 7. bezirks geht an UROŠ PRAH für „NOSTRA SILVA“.

der exil-dramatikerInnenpreis 2018 dotiert mit euro 3.000,- und 2018 finanziert von den wiener wortstaetten und dem schauspiel leipzig geht an ALEXANDRA PÂZGU für ihren stücktext „FLUSS, STROMAUFWÄRTS“.

die jurysitzung zur vergabe der exil-jugend- und schulpreise 2018 fand am 24. juli 2018 statt. die beiden jurorInnen julya rabinowich und christa stippinger haben wie folgt entschieden.

der exil-JUGEND-literaturpreis 2018 dotiert mit euro 1.200,- und finanziert von der literaturabteilung des bundeskanzleramtes wird in diesem jahr geteilt und geht als 1. preis an JULIA LÜCKL dotiert mit euro 600,-  für ihren text „MEINE SICHT DER DINGE“. zwei 2. preise dotiert mit je euro 300,- gehen an SOPHIA FELSINGER  für ihren text „DAZWISCHEN? ICH.“ und an SAHEL RUSTAMI für seinen text „BERGE“.

den exil-literaturpreis für SCHULKLASSEN dotiert mit euro 1.000,- und finanziert von der literaturabteilung des bundeskanzleramtes  erhält die ÖKO-NMS/WMS 23. Anton Baumgartnerstraße 119  für das projekt „TYPISCH“ betreut von frau GUNDI HAIGNER MA.


die jurybegründungen zu den exil-literaturpreisen 2018

kaśka bryla „manias welt“/1. preis – prosa
das so einfühlsame wie brutale portrait einer wilden fünfjährigen, die weiß, dass sie fünf jahre alt ist. die geschichte oszilliert zwischen pippi langstrumpf und den engeln des vergessens: wahrhaftig, intensiv, raumgreifend und in ihrer unverblümten direktheit manchmal geradezu verstörend. (julya rabinowich)

pyotr magnus nedov  „hundsmüller“ /2.preis – prosa
hier wird mit verve und wucht und witz von einer welt erzählt, in der es nicht mehr ums leben, sondern nur mehr ums überleben geht - gerechtigkeit wird hier nur mehr in form der negation sichtbar. hier wird nicht mit ironischer distanz katastrophe verhandelt, hier wird einem nicht lakonisch die welt vom leib gehalten, hier wird nicht mit pädagogischem eifer täter-opfer-zementierung betrieben, hier wird man vielmehr schutzlos, mithilfe von sprachlich genau gearbeiteten figuren, mitten in die widerspruchsvollen abgründe unserer gegenwart gestoßen – auf dass die herzen und hirne wieder ins schwingen kommen. (katja gasser)

aleksandra kalischek „die schönheit der dunkelheit“/3. preis – prosa
tanja, eine junge frau aus serbien, hat es in eine westeuropäische stadt verschlagen. ihren lebensunterhalt verdient sie sich als reinigungskraft, und das billige zimmer, das sie bewohnt, teilt sie sich mit mama juanita, einer ebenfalls aus serbien stammenden romni, die als prostituierte arbeitet und die als einzige von tanjas beziehung zu einem verheirateten arzt weiß.
alexandra kalischeks protagonistinnen führen ein leben am rande der gesellschaft – sie putzen nachts in geschäften und büros und verkaufen ihre körper in schäbigen zimmern, wo sie von einer besseren zukunft für sich oder zumindest für ihre familien „zu hause“ träumen. aleksandra kalischek zeichnet ihre figuren mit großer empathie und frei von larmoyanz, ihr genügen wenige striche, um der leserin/dem leser einen einblick in einen teil unserer gesellschaft zu geben, der den meisten von uns verborgen bleibt. (barbara zwiefelhofer)

uroš prah „nostra silva“ – lyrikpreis
schauplatz wald: hier rauschen keine alten bäume, hier jaulen die motorsägen eines international tätigen holzunternehmens mit sitz in österreich, das in großem stil schützenswerte wälder in den karpaten abholzt. uroš prah stellt in seinem bemerkenswert-kargen text – in den er mit uneleganter eleganz zitate und zahlen real existierender unternehmen und organisationen einwebt - fragwürdige kapitalistische praktiken und korruption an den pranger und das ganze ohne pädagogisches pathos. überhaupt zeigt sich hier prah als ein meister des nicht-pathos, der lyrisches im traditionell als anti-lyrisch wahrgenommenen zum leben zu erwecken versucht.  (barbara zwiefelhofer/katja gasser)

mercedes spannagel „das fehlen von schärfe“/preis für autorInnen mit erstsprache deutsch
‚das fehlen von schärfe‘ erzählt davon, wie bedrohlich dieses fehlen im leben eines menschen sein kann und zugleich wie lebensrettend. was diesen stillen, entschiedenen text zum leuchten bringt, ist die darin zum ausdruck kommende fähigkeit der autorin zu reduktion auf wesentliches. und dieses wesentliche: es wird im sanften und zugleich präzisen skizzieren von details zum strahlen gebracht. der text zeugt von großem dramaturgischem talent der verfasserin und macht ganz ohne aufhebens, leicht lesbar noch dazu, deutlich: jede vereindeutigung greift zu kurz, nicht zuletzt, weil sie dem menschen nicht gerecht wird. (katja gasser)

alexandra pâzgu  „fluss, stromaufwärts“ - exil-dramatikerInnenpreis 2018
kulturelle identität wird immer wieder zum thema medialer debatten gemacht, die je nach auslöser mit unterschiedlicher leidenschaft und ausdauer geführt werden. so manche migrations-, integrations- oder identitätsdebatte scheint sich nur noch im kreis zu drehen. gleichzeitig wird klar, dass ethnische oder kulturelle zugehörigkeiten sich in wirklichkeit bereits in endlosen variationen unserer zivilgesellschaft aufgelöst haben. der ruf nach klaren verhältnissen löst zwar mitunter stürme aus, doch die vorstellung von einer eindeutigen identität passt schon längst nicht mehr zu österreich, deutschland oder rumänien.
alexandra pâzgu setzt in ihrem stück „fluss, stromaufwärts“ die figur tino mitten hinein in den zeitgenössischen identitätsdiskurs. gleich einem lachs lässt die autorin ihren protagonisten gegen den strom schwimmen, und ein lachs tritt auch auf in ihrem stück – in ebenso fluider verfasstheit wie die gedankengänge des übersetzers tino, der sowohl im rumänischen, als auch im deutschen sprachraum wurzeln geschlagen hat. gleichermaßen ist er suchender und getriebener. er gehört einer noch jungen generation an, die ohne kalten krieg erwachsen geworden ist und sich mit dessen spuren trotzdem permanent beschäftigt sieht. alexandra pâzgu hat mit markanten figuren eine szenische versuchsanordnung geschaffen, die sich in unmittelbarem sinne dem „schreiben zwischen den kulturen“ widmet und selbst die unmöglichkeit dieses thema auf der bühne zu bewältigen unterhaltsam durchspielt. sie zeigt uns damit, dass die anzahl der zutaten für die identität grenzenlos ist – zu unser aller vorteil.  (matthias döpke/dramaturg/schauspiel leipzig)

julia lückl „meine sicht der dinge“ - exil-jugendliteraturpreis 1. preis
dieser autarke text überzeugt sowohl sprachlich als auch durch seine gedankliche tiefe. er konfrontiert  uns mit unerwarteten aspekten eines themas,  das viele in unterschiedlichster form betrifft und führt uns in bereiche, die den meisten von uns vermutlich unbekannt sind. ein umwerfender text, eine faszinierende junge autorin, eine literarische entdeckung von der man mehr lesen möchte. (julya rabinowich)

sophia felsinger „dazwischen? ich.“/exil-jugendliteraturpreis 2. preis
eine poetische und eigenständige arbeit, die durch ihre originalität besticht. spannend, wie der text das fremdsein nicht geografisch verortet sondern in den zersplitterten facetten einer psychischen erkrankung. (julya rabinowich)

sahel rustami „berge“/exil-jugendliteraturpreis 2. preis
der text schafft die balance zwischen unbeschönigter schilderung einer detailreich beschriebenen  gnadenlosen flucht unter lebensgefahr und dem neuanfang im exil. der berg als metapher, als lebensbedrohliches hindernis und als sportliche herausforderung bilden den dreh,- und angelpunkt dieses spannenden und berührenden textes. (julya rabinowich)

„typisch“ ein projekt der klasse 2d der öko-nms/wms 23., anton baumgartnerstraße 119 betreut von gundi haigner
exil-literaturpreis 2018 für schulklassen
„typisch“ ist eine teamarbeit im besten sinne. die zusammenarbeit einer schreibgruppe wird hier lebendig und kompetent erfahrbar in vielen plastischen kurztexten, die einblick geben in  die unterschiedlichsten lebenswelten und sich zu einem bunten ganzen fügen. diversität auf spielerische, humorvolle und poetische weise gespiegelt. ein gewinn für die, die geschrieben haben und die, die sie lesen. (julya rabinowich)


ein projekt von verein exil – edition exil - exil, zentrum für interkulturelle kunst und antirassismusarbeit
stiftgasse 8 - 1070 wien - tel. 0699 123 444 65   verein.exil@inode.at    www.zentrumexil.at
in kooperation mit dem verein kulturzentrum spittelberg, dem literaturhaus wien und den wiener wortstaetten

gefördert von: wienkultur/MA7   bundeskanzleramt/literatur  bezirks7kultur  bmbwf